Katja Kerstiens 

Der musikalische Teil meines Lebens

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Geboren wurde ich irgendwann im letzten Jahrtausend in eine Musikerfamilie hinein. Mein Vater war Kantor, meine Mutter Klavier- und Flötenlehrerin. Mit vier oder fünf begann ich mich - wie so üblich - an der Blockflöte und dem Klavier zu versuchen (sicherlich zur großen Freude meiner Eltern und vier älteren Geschwister...). Ich bekam sogar Klavierunterricht und den - o Luxus - nicht bei meiner Mutter. Ich schlug mich halbwegs durch und vielleicht hat es auch Spaß gemacht, aber mein Enthusiasmus zu üben hielt sich doch in Grenzen (zumal ich immer meinen großen Bruder, der Klavier studierte und das alles natürlich viel, viel besser konnte, vor der Nase hatte). Mit neun Jahren schließlich verweigerte ich jegliche Übetätigkeit. Irgendwann kam ich mit der Idee an, Cello spielen zu wollen, was zunächst nachvollziehbarerweise auf eine tiefe Skepsis seitens der finanziell dafür aufkommen müssenden Eltern stieß. Ich setzte mich schließlich aber durch und erhielt meinen ersten Cellounterricht mit 12 Jahren. Trotz aller Widrigkeiten, die einem als Anfänger und in dem Alter im Wege stehen, blieb ich tatsächlich dabei und machte vielleicht auch die ein oder anderen Fortschritte auf dem Instrument. Irgendwann - nachdem ich die Schule relativ plötzlich verlassen hatte - kam dann die Idee auf, das Ganze doch ernsthafter zu betreiben und Cello studieren zu wollen. Zur Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung an einer Musikhochschule kam ich 1984/85 zum Hochschulvorstudium an Dr. Hoch’s Konservatorium in Frankfurt/Main. Ich lernte den Betrieb und die Stimmung und vor allem den Druck, der mit einem solchen Weg verbunden ist, kennen und fasste nach einem Semester den Entschluss, das Cello doch nicht zum Beruf machen zu wollen -- und vor allem nie wieder Unterricht zu nehmen. Also doch wieder Schule... Es folgten Abitur auf dem 2. Bildungsweg in Bonn, Studium und Examen als Russisch-Übersetzerin mit Fachgebiet Technik und Wirtschaft in München, schließlich eine Anstellung an der Humboldt-Universität zu Berlin als Fremdsprachensekretärin, die für mich ein großer Glücksfall war/ist, weil sie mir alles ermöglichte, was dann kam.

In all den Lehr- und Studienjahren führte das Cello ein eher stiefmütterliches Dasein, dafür erlebte das Klavier in Maßen eine Renaissance. Irgendwann aber kam ich doch nicht mehr drum herum und fing wieder an, Töne durch das Streichen auf Saiten zu produzieren - was weitreichende Folgen hatte. Nachdem ich mir ein neues (altes) Cello zugelegt hatte, entdeckte ich die Liebe zum Instrument 1996 neu und trat nach einer ausgeprägten Kammermusik-Phase 1999 bzw. 2000 in die Orchester der Humboldt-Universität unter der Leitung des Universitätsmusikdirektors Constantin Alex ein - was zur extremen Intensivierung meiner musikalischen Bemühungen führte und zu allem, was sich mir dann als musikalische Welt neu auftat. Meinen "Schwur", nie wieder Unterricht haben zu wollen brach ich, nachdem mir die Stimmführung der Cellogruppen in den Orchestern angetragen wurde. So hatte ich das große Glück, ab 2000 bei Prof. Matias de Oliveira Pinto (Musikhochschule Münster und UdK Berlin) Unterricht zu bekommen - was aber auch den "Nachteil" hatte, daß ich dem Cello immer mehr verfiel. Noch schlimmer wurde es, als ich 2001 beim Berliner Geigenbauer Felix Scheit (m)ein wunderbares Instrument fand, das er gerade fertiggebaut hatte und der Berliner Bogenbauer Mathias Wohlleber mir später den ideal dazu passenden Bogen baute. Ich begann, an Cellokursen in Frankreich, Polen und Deutschland teilzunehmen. Im Sommersemester 2006 stieg ich aus den HU-Orchestern aus bzw. pausierte und begann wieder verstärkt kammermusikalisch in unterschiedlichsten Besetzungen sowie in kleineren Orchesterbesetzungen projektweise zu spielen.

Nachdem mein Bruder und ich im Herbst 2005 einen gemeinsamen Duo-Abend gespielt hatten, ließ mich der Gedanke nicht mehr los, so etwas gelegentlich wieder zu tun und machte mich auf die Suche nach einem/r Pianisten/in, der/die nicht gar so weit weg wohnt wie mein Bruder und wurde fündig: Ich traf auf den zum Glück in Berlin lebenden australischen Pianisten und Song-Poeten Paul Hankinson.

Fortsetzung folgt... (?)